verdammt vegan

ich stehe abends im supermarkt an der kasse und lege diverse artikel aufs band. was man halt so fürs frühstück braucht, brot, ein bisschen gemüse, käse und eier, alles in bioqualität. vor mir eine frau im selben alter wie ich. hat offensichtlich auch den plan, sich für ihr frühstück einzudecken. allerdings ist die dame offensichtlich von der veganen front, da vor ihr nur sojaaufstrich, veganer käse und diese vegane streichcreme liegen. jeder, wie er will, denk ich mir.

sie sich nur leider nicht. dreht sich um. starrt zuerst angewidert auf meine einkäufe und dann auf mich. schüttelt den kopf. ich wende mich, um der situation zu entgehen, wieder meinem handy zu. für mich wäre der krampf damit auch beendet, würde sie mir nicht entgegenfauchen: schämen solltest du dich.

ich muss zugeben, ich war in der situation etwas sprachlos. und das kommt bei mir selten vor. erst beim rausgehn aus dem geschäft dämmerte mir so richtig, was da grade passiert ist und ich hab die wut hochkriechen gespürt. geht’s eigentlich noch?

ich weiß, dass eine gewisse gruppe menschen mich für die worte hier hassen wird. aber: sorry, not sorry.

ich bin ein freund des leben und leben lassens. sofern nicht andere menschen damit verletzt oder in ihrer freiheit behindert werden, soll jeder machen, was er für sich gut und gesund hält. wenn jemand vegan leben möchte, ist das seine sache. auch ich habe viele vegane tage, und ja, auch ich bin der meinung, dass der normale österreicher zu viel fleisch und tierische produkte zu sich nimmt. aus faulheit, gewohnheit und alten erziehungsmustern heraus. es spricht viel dafür, sich ein wenig „tierfreier“ zu ernähren und ich fände es gut, wenn öfters mal tierlose optionen in die breite masse getragen werden würden. die argumente pro und contra wollen wir hier aber nicht diskutieren.

denn. viele veganer haben nämlich leider diese eine angewohnheit, die ich auf den tod nicht ausstehen kann: sie urteilen über andere. mit dieser dezenten arroganz, es ohnehin besser zu wissen und auf der guten seite zu stehen. ohne über die person vor ihnen bescheid zu wissen. sie urteilen über sichtweisen und lehnen sie ab, ohne mal darüber nachzudenken. und sie gehen noch einen schritt weiter. sie möchten anderen menschen ihre wahrheit und lebensweise mit teilweise tatsächlich lachhaften, vielfach aus fragwürdigen quellen rausgelesenen argumenten aufzwingen. leuten mit einem verhalten wie im supermarkt ein schlechtes gewissen machen.

nicht alle veganer sind so. ich hab tatsächlich ein paar vegan lebende menschen um mich, die das mit hirn und realismus betreiben. neben denen ich in aller ruhe mein steak essen kann, ohne jeden bissen heimlich zu tun. mit denen man ganz normal über das thema diskutieren kann, sich gegenseitig denkanstöße gibt und ganz unbeschwert gemeinsam abendessen kann.

doch ein großer teil der veganen welt, die kampfveganer, hat es geschafft, dass genau jene unter ihnen, die tatsächlich menschen zum umdenken bringen könnten, genau wie sie als „ökos“ und „weltfremde pflanzenfresser“ mit augenrollen betrachtet werden. denn da sich menschen nun mal ungern was aufzwingen lassen, hat sich das ganze nämlich statt zu einer diskussion zu einer beidseitigen ablehnung entwickelt. das ist schade, richtig schade. muss das denn sein?

man könnte fast glauben, es gäbe nur noch schwarz und weiß. dass in unserer ernährungswelt gewaltig was schiefläuft wissen wir alle, egal, ob massentierhaltung, milchproduktion oder riesige sojaplantagen. normal und ökologisch ist tatsächlich nur ein minimaler anteil in unseren einkaufswägen, veganer oder nicht (sofern sich letzterer  nicht mühselig diverse nährstoffe aus wirklich natürlichen lebensmitteln und stattdessen aus ersatzprodukten wie tofu und co holt). aber zwischen schwarz und weiß ist ganz schön viel grau. und wichtig wäre es, menschen mal dazuzubringen, grau zu mögen und damit zu beginnen, kleine dinge zu verändern.

die vegetarier haben das ein bisschen schlauer gemacht. ok, jemandem zu vermitteln, dass man das nicht so super findet, wenn man ein anderes lebewesen abmurkst, nur um es dann in panier am teller liegen zu haben, ist ein wenig einfacher als auf die barbarischen zustände entlang der produktionskette aufmerksam zu machen. und ja es ist auch einfacher, einfach fleisch wegzulassen als alles tierische aus einem menü zu entfernen.

was ihnen aber noch viel mehr hilft ist die tatsache, dass sie nicht auf stur und durchzug schalten und einem mit der moralkeule kommen oder drastische bilder von leidenden tieren in der lebensmittelindustrie am handy unter die nase halten, während man genüsslich in seine käsekrainer beißt. es hilft die offenheit, zu akzeptieren, dass manche leute einfach immer ihren schweinsbraten essen wollen, während andere neugierig sind und auch umdenken. die mehrheit der vegetarier verurteilt nicht sofort und versucht wenigstens optionen durchzudenken. dadurch wurden sie irgendwann akzeptiert. und so denkt sich der nicht-vegetarier: isst halt einer in der gruppe kein fleisch, was solls?

auch ich ertappe mich dabei, „die veganer“ zu belächeln. was unfair ist, ich weiß. und ich versuche gleichzeitig dann wieder, offen zu sein und mich nicht über die flachen, immer gleichen argumente aufzuregen.

nur, liebe kampfveganer, da gibts eine sache, die mich so richtig aufregt. ihr sorgt euch ums tierwohl. schön. ihr wollt nicht, dass tiere unter den produktionsbedingungen leiden, die wir ihnen aufzwingen und die absolut unnatürlich sind. find ich gut. stimmt, das ist nicht schön. aber müsst ihr mir das entgegenschreien, während ihr billigklamotten von hm aus produktionsstätten mit unmenschlichen arbeitsbedingungen tragt und euren erdbeersmoothie im jänner schlürft? nur mal so ne frage.

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3 Gedanken zu „verdammt vegan

  1. Bei dieser Tante fällt mir nur eins ein… Oida! 😂😂
    genau solche Personen helfen dass man diese Veganer noch weniger mag.

    Ich verstehe Vegetarier dass sie so essen, Veganer mag ich nicht, brauch ich nicht, einfach weils eben viele gibt die einem ihren Willen aufzwingen wollen. Und weil ich diesen Lebensstil nicht verstehe. gerade bei uns in Österreoch schränkst du dich meiner Meinung nach ziemlich ein, Abendessen mit Freunden, wie den.. Ich werde wohl nie in ein veganes Restaurant gehen. Die wohl nicht in ein Wirtshaus mit mir.

    Mir ist bei einer Geburtstagsfeier mal.eine Veganerin gegenüner gesessen die ihren Mann dazu genötigt hat dass er vegan isst, der durfte im Restaurant nichtmal Fleisch bestellen, ich hab ihm dann ein paar meiner Ripperl abgegeben als sie zur Toilette ging.. Das kanns ja auch nicht sein oder? 🤦

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  2. Volltreffer! Du sprichst mir aus der Seele. Ich denke wir kenne leider alle diese „Leute“ und auch mir ist mein Putengeschnetzeltes schon im Hals stecken geblieben, weil ich während des Essens militant „aufgeklärt“ wurde. Geht gaaaar nicht!!!

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  3. Ja, die kenne ich auch.
    Es würde mir nie einfallen, jemandem vorzuschreiben, wie und was er essen soll und nachdem ich letztens einen Bericht im Fernesehn gesehen habe, wie diese „veganen“ Lebensmittel hergestellt werden, ist mir auch die Idee des „ich kann es ja mal probieren“ abhanden gekommen. Urgs. Ehe ich diese Chemiescheiße in mich reinstopfe, esse ich lieber ein vernünftiges Schnitzel…zumal ich auf Soja eh mit zugeschwollenem Hals reagiere. 😉

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