cause supergirls don’t cry

man kennt sie. diese songs, die man ewig nicht hört, aber wenn, dann bekommt man spontan ganslhaut (gänsehaut). weil man sich sofort an einen moment erinnert, in dem man das lied irgendwie teil davon war. oder eine situation, die man damit verbindet. einen menschen. einen urlaub. das gefühl, das man da hatte. den geschmack. den geruch. und im besten fall alles zusammen.

jeder mensch hat einige dieser lieder, lustigerweise sind es oft solche, zu denen man freiwillig nie stehen würde. denn wer gibt schon zu, bei „quit playing games with my heart“ innezuhalten und ganz glasige augen zu bekommen? auch wenn man einfach nur den ersten liebeskummer für einen kurzen moment wieder erlebt, das machts ein bisserl besser, aber den hohlen text nicht unbedingt wett.

bei mir ist das gott sei dank nicht ganz so schlimm. dafür gibt es „mein lied“ in zwei unterschiedlichen versionen, und ich muss zugeben, dass ich nicht weiß, welche besser ist. aber die wirkung war und ist sehr ähnlich.

es war im jahr 2000 und ich war noch ziemlich jung. und nicht gerade das, was man eine schöne junge frau bezeichnet (vom heutigen standpunkt aus betrachtet würde ich sagen, dass ich mich dann noch gott sei dank irgendwie zusammengewachsen hab). ein schummriges lokal in der altstadt von linz, in dem sich gymnasiasten am samstag abend getroffen haben, um ein bisschen betrunken zu werden und sich dem anderen geschlecht anzunähern. es gab noch keine partyfotografen, keine fotohandies und der name living room passte zu perfekt zu den runden tischen mit den dunkelblauen ledersofas.

in eben diesem lokal traf ich in einer kühlen winternacht dort den, der sowas wie meine teenagerliebe wurde. wir tranken vodka mit ananassaft und bitter lemon und die beinah nicht vorhandene beleuchtung erleichterte das flirten enorm. und irgendwann an diesem abend, da haben wir uns dann zum ersten mal geküsst. ich hatte dieses verliebte rauschen in den ohren, wahnsinniges herzklopfen, und als sich unsere lippen voneinander lösten, kam dieses lied: supergirl von reamonn. cause supergirls just fly. in dem moment fühlte ich mich tatsächlich wie supergirl, wild und unbesiegbar.

die nächsten monate wurde das lied totgespielt und verlor durch die endlosen wiederholungen seinen reiz gewaltig. dennoch wir erinnerten uns gern daran, wie wir uns damals auf das nächste level begeben hatten und lächelten uns verliebt an. aber die liebe verging wie teenagerlieben nun mal vergehen. ich wurde erwachsen, das lied wurde fast nie mehr gespielt, irgendwann hab ich es gelöscht, denn alles was die ersten monate nach der trennung blieb, war das hässliche gefühl, dass sich etwas so schönes nach ein paar jahren einfach so abgenutzt hatte. ab und zu tauchte der song noch irgendwo auf und ich hatte dann irgendwann endlich auch diese süßen erinnerungsmomente an den abend mit ananasgeschmack und den menschen, von dem ich dachte, er wär mein prinz.

bis es 2015 als remix wieder aufgetaucht ist. eigentlich finde ich ja so neuauflagen von songs scheiße, besonders, wenn ich eine vergangenheit mit ihnen hab. deswegen hab ich es anfangs auch strikt verweigert (auch wenn es mir doch vom ersten moment weg irgendwie gefallen hat). ich glaube irgendwie, ich wollte nicht, dass eine neue version die alten erinnerungen überdeckt.

doch es war jener sommer. der sommer nach einem in lauter kleine stückchen zertrümmerten herzen, nach gesundheitlichen problemen, nach einer kündigung. wo auf einmal endlich ein riesenstein von meinem herzen gefallen ist und ich mich dadurch so wahnsinnig frei und entspannt gefühlt hab. wochenlang temperaturen jenseits der 30 grad, flipflops, luftige sommerkleidchen, kaltes bier aus feuchten flaschen. wo ich so schön verknallt war, obwohl ich mich eigentlich nicht mal trauen wollte, aber dann doch ganz vorsichtig angefangen hab, es zu genießen, weil sich so gut und einfach angefühlt hat.

cause supergirls just fly. passte ja mittlerweile zu mir mit meiner springerei. das lied bohrte sich hartnäckig in meine gehörgänge. irgendwann landete es auf meinem ipod. und war damit plötzlich mein ständiger begleiter auf endlosen autobahnfahrten zu sprungveranstaltungen, auf der dropzone beim packen, auf zig kilometern am rennrad entlang der donau. ich hab dazu gekocht, ich hab dazu mit nassen haaren im bad getanzt (in meinem), ich kam betrunken nach einer dieser sommernächte frühmorgens nach hause und der nachbar hatte sein fenster offen. it’s alright, I came late home last night. ich hatte es im ohr, als ich im bus umgeben von fremden allein über staubige straßen in sri lanka geholpert bin, ich hatte dazu sex in einer küche (nicht meiner). es war mir sogar egal, dass es im radio eine spur zu oft gespielt wurde. denn in diesem sommer war alles egal und ganz leicht, was zählte, war nur das jetzt, und dafür waren die 3:31 mit der genauso leichten frauenstimme der perfekte soundtrack.

leider haben es lebenslieder auch so an sich, dass man sie oft auch mit schmerzhaften erinnerungen verbindet. als diese sommerliebe ein apruptes ende fand und mir ein freund schrieb, wein nicht, cause supergirls don’t cry (nicht ahnend, dass er damit grade in die offene wunde auch noch salz streute), da saß ich auf meiner couch, fror, weil ich seit sri lanka zu dem zeitpunkt immer fror, und es wurde mir schmerzlich bewusst, dass dieser sommer nun zu ende war. einfach so. ich fühlte mich unfassbar allein. in dem moment war alles falsch, es war kalt und nass, ich hatte keinen job, dafür aber einen schnupfen und ein schmerzendes herz. konnte denn nicht einmal was gutes gut bleiben?

die nächsten wochen und monate mied ich den song, wo es nur ging, ich verbannte ihn richtiggehend. denn selbst wenn ich ihn zu weihnachten wieder ertrug, es war wie eine droge: 3:31 min. das gefühl dieses sommers, nur um dann wieder hart im grau der realität zu landen, mit jenem fiesen ziehen im herz, das man ja kennt, wenn was gutes vorbei ist. ich sehnte mich nach diesem leichten gefühl, ohne den gedanken, ob ich im neuen job bestehen würde, nach den flip flops und nach dem kalten bier in feuchten flaschen. es gab viel neues, manches gutes, auch manches, das nicht so toll war. das leben geht weiter und der nächste sommer wartete schon. tja.

und wie das leben, so die lieder. es dauerte ein dreiviertel jahr. ich saß im windtunnel und plötzlich hörte ich es. cause supergirls just fly. ich erwartete wie immer diesen fahlen beigeschmack und das stechende gefühl in der magengegend. aber nichts ist passiert. ganz im gegenteil. ich hab mich zurückgelehnt und tatsächlich kamen nur noch die guten erinnerungen zurück. ich geb zu, ich war verwundert. fast hab ich versucht, diese melancholie zu provozieren, aber es kam einfach nix. stattdessen hatte ich den geruch warmer haut mit sonnencreme in der nase und musste schmunzeln, weil mir die eine oder andere situation wieder in den sinn kam.

denn auch das zeichnet diese songs aus. selbst wenn man mit ihnen bittere tränen geweint und dunkle stunden verbracht hat, die erinnerungen sind untrennbar mit wichtigen menschen und momenten verbunden, die einen prägen und wachsen lassen. und dazu gehört’s nun auch einmal, dass man sagt: it’s ok, I got lost on the way. kommt halt auch mal vor. denn hey: what can go wrong?

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